Wie wird mein Rechnungsbetrag berechnet?
Deine monatliche Stromrechnung setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. In diesem Artikel erklären wir Dir Schritt für Schritt, wie Dein Rechnungsbetrag zustande kommt, welche Begriffe Du auf Deiner Rechnung findest und wie Zählerstände und Korrekturen damit zusammenhängen.
Kurzüberblick: So funktioniert Deine Abrechnung
Wir rechnen Deinen Stromverbrauch monatlich ab. Wie genau die Abrechnung funktioniert, hängt davon ab, ob Du bereits ein Smart Meter (intelligentes Messsystem) hast oder noch einen konventionellen bzw. digitalen Zähler nutzt.
Mit Smart Meter: Dein Stromverbrauch wird automatisch in 15-Minuten-Intervallen erfasst und an uns übermittelt. Die Abrechnung basiert auf Deinem tatsächlichen Verbrauch – multipliziert mit den jeweiligen Börsenpreisen der entsprechenden Viertelstunde. Du zahlst also genau das, was Du wirklich verbraucht hast.
Wie wird Dein Verbrauch ermittelt?
Smart Meter: Lastgangdaten (LGD)
Wenn Du ein Smart Meter hast, erhalten wir von Deinem Messstellenbetreiber (MSB) sogenannte Lastgangdaten. Das sind die tatsächlichen Verbrauchswerte Deines Haushalts in 15-Minuten-Intervallen. Diese Daten werden automatisch übermittelt und bilden die Grundlage Deiner monatlichen Rechnung.
Für jeden 15-Minuten-Abschnitt wird Dein gemessener Verbrauch (in kWh) mit dem in diesem Zeitraum gültigen Börsenpreis multipliziert. So ergibt sich Dein individueller Strompreis.
Ohne Smart Meter: Schätzung und Zählerstände
Ohne Smart Meter müssen wir Deinen monatlichen Verbrauch schätzen. Dafür nutzen wir zwei Informationsquellen:
Deine Verbrauchsprognose: Beim Vertragsabschluss hast Du einen geschätzten Jahresverbrauch angegeben (z. B. 3.500 kWh/Jahr).
Das Standardlastprofil (SLP): Dies ist ein von der Bundesnetzagentur anerkanntes statistisches Profil, das beschreibt, wie sich der Stromverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts über einen Zeitraum verteilt.
Anhand dieser beiden Werte verteilen wir Deinen geschätzten Jahresverbrauch auf die einzelnen Viertelstunden des Monats und verrechnen diese Werte mit den jeweils gültigen Börsenstrompreisen. So ergibt sich Dein monatlich erwarteter Verbrauch und der daraus resultierende Rechnungsbetrag.
Wichtig: Diese Schätzung kann vom tatsächlichen Verbrauch abweichen. Sobald uns neue Informationen vorliegen (z. B. ein von Dir übermittelter Zählerstand), passen wir die Berechnung an und verrechnen die Differenz automatisch.
Was bedeuten die Begriffe auf meiner Rechnung?
Verbrauch (kWh)
Der Verbrauch auf Deiner Rechnung gibt an, wie viele Kilowattstunden (kWh) für den Abrechnungszeitraum berechnet wurden. Bei Smart-Meter-Kunden ist dies der tatsächlich gemessene Verbrauch. Bei Kunden ohne Smart Meter basiert der Verbrauch auf einer Schätzung (siehe oben) oder auf einem übermittelten Zählerstand.
Verbrauch (korrigiert)
Wenn auf Deiner Rechnung ein korrigierter Verbrauch ausgewiesen ist, bedeutet das, dass der ursprünglich für einen früheren Monat geschätzte Verbrauch nachträglich angepasst wurde – zum Beispiel, weil ein neuer Zählerstand eingegangen ist. Die Differenz zwischen dem alten und dem neuen Wert erscheint als Korrektur auf Deiner aktuellen Rechnung.
Zählerstand
Ein Zählerstand ist der Wert, der auf Deinem Stromzähler abgelesen wird (in kWh). Er zeigt den gesamten Verbrauch seit Einbau des Zählers. Aus der Differenz zwischen zwei Zählerständen ergibt sich der Verbrauch im jeweiligen Zeitraum.
Zählerstände können von verschiedenen Quellen stammen:
Du selbst: Du kannst Deinen Zählerstand im Kundenportal einreichen.
Dein Netzbetreiber: Der Netzbetreiber übermittelt Zählerstände z. B. bei der jährlichen Ablesung.
Dein Messstellenbetreiber: Bei einem Zählerwechsel wird der Endstand des alten und der Anfangsstand des neuen Zählers dokumentiert.
Energiemenge
Die Energiemenge ist der berechnete Verbrauch für einen bestimmten Zeitraum (z. B. einen Monat). Sie wird aus Zählerständen oder Lastgangdaten abgeleitet und ist die Grundlage für die Verbrauchszeile auf Deiner Rechnung.
Eine Energiemenge kann verschiedene Genauigkeitsgrade haben:
Gemessen (measured): Basiert auf echten Messwerten – z. B. Smart-Meter-Daten oder der Differenz zweier Zählerstände.
Geschätzt, vorläufig (estimated, preliminary): Eine vorausschauende Prognose, wenn noch keine Messwerte vorliegen.
Geschätzt, final (estimated, final): Eine rückblickende Schätzung auf Basis vertrauenswürdiger Zählerstände, die jedoch nicht den genauen Zeitraum abdecken.
Börsenstrompreis (EPEX Spot)
Der Börsenstrompreis ist der Einkaufspreis für Strom an der europäischen Strombörse EPEX Spot. Dieser Preis ändert sich alle 15 Minuten und wird bereits am Vortag ab 14:00 Uhr für den Folgetag veröffentlicht.
Da Du einen dynamischen Stromtarif hast, basiert Dein Energiepreis direkt auf diesen Börsenpreisen. Wenn in einer Viertelstunde viel Wind- oder Solarenergie im Netz ist, ist der Börsenstrompreis oft besonders niedrig – manchmal sogar negativ.
Welche Positionen stehen auf meiner Rechnung?
Deine Rechnung setzt sich aus festen und variablen Bestandteilen zusammen:
Feste Bestandteile (monatliche Pauschalen)
Grundgebühr: Unsere monatliche Servicegebühr für Deinen Stromtarif.
Netzentgelte (Grundpreis): Eine Pauschale, die Dein Netzbetreiber für den Anschluss ans Stromnetz berechnet.
Messstellengebühren: Die Kosten für den Betrieb Deines Stromzählers durch den Messstellenbetreiber.
Variable Bestandteile (abhängig vom Verbrauch, in ct/kWh)
Börsenpreis: Der Preis an der Strombörse EPEX.
Beschaffungsgebühr: Unsere Beschaffungsgebühren pro kWh.
Netzentgelte (Arbeitspreis): Gebühren Deines Netzbetreibers pro verbrauchter kWh für den Transport des Stroms.
Konzessionsabgabe: Eine Abgabe an die Gemeinde für die Nutzung öffentlicher Wege durch Stromleitungen.
Stromsteuer: Die gesetzliche Steuer auf Stromverbrauch.
§19 StromNEV-Umlage: Eine Umlage für vergünstigte Netzentgelte bestimmter Großverbraucher.
Offshore-Netzumlage: Eine Umlage für den Anschluss von Offshore-Windparks ans Stromnetz.
Weitere mögliche Positionen
Korrektur: Falls Dein Verbrauch eines Vormonats nachträglich angepasst wurde (siehe Abschnitt „Korrekturen").
Rabatt / Bonus: Falls ein Aktionsrabatt auf Deinen Tarif angewendet wird.
Umsatzsteuer (MwSt.): Die gesetzliche Mehrwertsteuer von 19 % wird auf den Nettobetrag aufgeschlagen.
Wie ergibt sich der Gesamtbetrag?
Dein Rechnungsbetrag berechnet sich vereinfacht so:
Gesamtbetrag = Fixkosten + (Verbrauch in kWh × variable Kosten pro kWh) + Korrekturen – Rabatte + MwSt.
Dabei werden die variablen Kosten bei Smart-Meter-Kunden viertelstundengenau mit dem jeweiligen Börsenpreis berechnet. Bei Kunden ohne Smart Meter wird der geschätzte Verbrauch über das Standardlastprofil auf die Viertelstunden verteilt und dann mit den Börsenpreisen verrechnet.
Was sind Korrekturen und warum erscheinen sie auf meiner Rechnung?
Korrekturen entstehen, wenn sich herausstellt, dass der Verbrauch eines früheren Monats anders war als ursprünglich berechnet. Das passiert typischerweise in folgenden Fällen:
Du hast einen neuen Zählerstand übermittelt: Aus dem neuen Zählerstand lässt sich der tatsächliche Verbrauch zwischen dem letzten bekannten Stand und dem neuen Stand berechnen. Wurde in der Zwischenzeit ein anderer Verbrauch geschätzt, wird die Differenz korrigiert.
Dein Netzbetreiber hat einen Zählerstand übermittelt: Bei der jährlichen Ablesung oder einem Zählerwechsel erhalten wir offizielle Zählerstände vom Netzbetreiber.
Smart-Meter-Daten wurden nachträglich aktualisiert: In seltenen Fällen werden Verbrauchsdaten nachträglich korrigiert, z. B. weil vorläufige Werte durch endgültige Messwerte ersetzt werden.
Wie funktioniert eine Korrektur?
Das System vergleicht den neuen (korrigierten) Verbrauch mit dem alten (geschätzten) Verbrauch für den betreffenden Monat.
Die Differenz (Delta) wird berechnet.
Auf Deiner nächsten Rechnung erscheint eine Korrekturposition, die den Unterschied verrechnet – entweder als Gutschrift (Du hast zu viel bezahlt) oder als Nachzahlung (Du hast zu wenig bezahlt).
Die Korrektur bezieht sich immer auf den konkreten Monat und wird auf der Rechnung entsprechend ausgewiesen (z. B. „Korrektur für Oktober 2025").
Beispiel
Du wurdest im Oktober mit einem geschätzten Verbrauch von 300 kWh abgerechnet. Im November reichst Du einen Zählerstand ein, aus dem hervorgeht, dass Du im Oktober tatsächlich nur 250 kWh verbraucht hast. Die Differenz von 50 kWh wird als Gutschrift auf Deiner November-Rechnung verrechnet.
Wie kann ich meinen Zählerstand übermitteln?
Wenn Du kein Smart Meter hast, kannst Du Deinen Zählerstand ganz einfach über das Kundenportal einreichen. So stellst Du sicher, dass Deine Rechnung möglichst genau Deinem tatsächlichen Verbrauch entspricht.
Wichtig für den Zeitpunkt:
Wenn Dein Zählerstand bis zum 1. Tag des Folgemonats bei uns eingeht, berücksichtigen wir ihn für die Abrechnung des aktuellen Monats.
Geht der Zählerstand nach dem 1. des Folgemonats ein, erfolgt die Korrektur im darauffolgenden Monat.
Tipp: Du musst nicht jeden Monat einen Zählerstand einreichen – aber je öfter Du es tust, desto genauer wird Deine Abrechnung und desto kleiner fallen eventuelle Korrekturen aus.
Warum schwankt mein Rechnungsbetrag von Monat zu Monat?
Dein Rechnungsbetrag kann aus mehreren Gründen variieren:
Saisonaler Verbrauch: Im Winter verbrauchst Du in der Regel mehr Strom als im Sommer (z. B. durch Heizung, Beleuchtung). Das Standardlastprofil bildet dies ab.
Schwankende Börsenpreise: Da Dein Tarif dynamisch ist, verändert sich der Energiepreis mit den Börsenpreisen. In Monaten mit hohen Börsenpreisen (z. B. kalte, windstille Winterwochen) kann Dein Energiekostenanteil höher ausfallen.
Korrekturen aus Vormonaten: Wenn eine Korrektur fällig wird (z. B. nach einem übermittelten Zählerstand), kann dies den Betrag nach oben oder unten beeinflussen.
Veränderte Netzentgelte oder Umlagen: Netzentgelte und gesetzliche Umlagen können sich zum Jahreswechsel oder unterjährig ändern.
Häufige Fragen
Warum unterscheidet sich mein Verbrauch von dem, was ich an meinem Zähler ablese?
Der auf der Rechnung ausgewiesene Verbrauch kann auf einer Schätzung basieren, wenn Du keinen Zählerstand übermittelt hast. Sobald Du einen aktuellen Zählerstand einreichst, wird der tatsächliche Verbrauch ermittelt und eine eventuelle Differenz als Korrektur verrechnet.
Was ist das Standardlastprofil (SLP)?
Das Standardlastprofil ist ein statistisches Modell der Bundesnetzagentur, das beschreibt, wie ein durchschnittlicher Haushalt seinen Strom über das Jahr verteilt verbraucht. Wir verwenden es, um Deinen geschätzten Jahresverbrauch auf die einzelnen Viertelstunden zu verteilen, wenn keine echten Verbrauchsdaten vorliegen.
Warum habe ich eine Korrektur auf meiner Rechnung?
Eine Korrektur bedeutet, dass der Verbrauch eines Vormonats nachträglich angepasst wurde. Das passiert z. B. wenn ein neuer Zählerstand zeigt, dass der tatsächliche Verbrauch höher oder niedriger war als geschätzt. Die Differenz wird automatisch mit Deiner nächsten Rechnung verrechnet.
Wie kann ich meine Abrechnung genauer machen?
Am einfachsten: Reiche regelmäßig Deinen Zählerstand über das Kundenportal ein. Noch besser: Beantrage ein Smart Meter – damit wird Dein Verbrauch automatisch viertelstundengenau erfasst und abgerechnet.
Was passiert, wenn ich keinen Zählerstand übermittle?
Dann schätzen wir Deinen Verbrauch anhand Deines Jahresverbrauchs und des Standardlastprofils. Spätestens bei der Jahresabrechnung oder wenn der Netzbetreiber einen offiziellen Zählerstand übermittelt, wird die Schätzung mit dem tatsächlichen Verbrauch abgeglichen.
Kann mein Rechnungsbetrag auch negativ sein?
Ja, in seltenen Fällen kann eine Rechnung negativ ausfallen – zum Beispiel wenn eine Korrektur zu Deinen Gunsten den regulären Monatsbetrag übersteigt. In diesem Fall wird Dir der Betrag gutgeschrieben.
Was sind Netzentgelte und warum zahle ich die?
Netzentgelte sind Gebühren, die Dein lokaler Netzbetreiber für den Transport des Stroms über das Stromnetz erhebt. Sie setzen sich aus einem Grundpreis (monatliche Pauschale) und einem Arbeitspreis (pro kWh) zusammen. Diese Kosten werden von uns an Dich weitergegeben und sind gesetzlich reguliert – sie variieren je nach Netzgebiet und Adresse.
Kann ich reduzierte Netzentgelte erhalten (§14a EnWG)?
Ja, wenn Du einen steuerbaren Verbraucher mit einer Leistung über 4,2 kW nutzt – z. B. eine Wärmepumpe, ein Elektroauto oder einen Batteriespeicher – kannst Du von reduzierten Netzentgelten nach §14a EnWG profitieren. Je nach Netzgebiet sind Einsparungen von 110 bis 190 Euro pro Jahr möglich. Wende Dich an uns, wenn Du wissen möchtest, ob Du dafür in Frage kommst.
Wann wird mein Smart Meter für die Abrechnung genutzt?
Sobald Dein Smart Meter installiert und aktiviert ist und wir die ersten Verbrauchsdaten von Deinem Messstellenbetreiber erhalten, stellen wir Deine Abrechnung automatisch auf die genauere viertelstundenscharfe Abrechnung um. Ab diesem Zeitpunkt entfallen Schätzungen und Abschläge.
